Muskuloskelettale Medizin, Autoimmunität & Gender-Forensik

Factsheet

Muskuloskelettale Medizin, Autoimmunität & Gender-Forensik

Datum

1. – 2. November 2021

Ort

Zentrum für Weiterbildung, Universität Zürich, Schaffhauserstrasse 228

Unterrichtssprache

Deutsch (Folien auf Englisch)

Ziele des Moduls

Die Teilnehmenden

  • wissen um die Besonderheiten bei der Betreuung von weiblichen Freizeit- und Leistungssportlern in Bezug auf Verletzungsmuster, Massnahmen zur Prävention, Trainierbarkeit und Trainingsgestaltung, Prävention, Erkennung und Therapie von Energiedefizit-Syndromen, Schwangerschaft.
  • kennen die geschlechtsspezifischen Unterschiede des Immunsystems und können anhand derer sowohl in Bezug auf Immunpathogenese, Prävalenz, Phänotyp und somit Diagnostik als auch Outcome und Therapie von Autoimmunerkrankungen korrekte Schlüsse ziehen.
  • kennen die verschiedenen Untersuchungsmethoden zur Diagnostik der Osteoporose und können deren Befunde interpretieren.
  • kennen die epidemiologischen Unterschiede der Rechtsmedizin in Bezug auf das Geschlecht  und können hieraus die individuellen Herangehensweisen ableiten.
Inhalt des Moduls

In diesem Modul wird der Einfluss des Geschlechts auf verschiedenste Aspekte und Pathologien, die das muskuloskelettale System betreffen, vermittelt. Hierbei werden neben den Punkten, welche direkt den Bewegungsapparat betreffen, auch das Immunsystem sowie die Trainierbar- und Leistungsfähigkeit genauer betrachtet.

Konkret umfasst das Modul folgende Blöcke:

  • Sportmedizin
        • In Bezug auf die muskuloskelettalen Aspekte der Sportmedizin zeigt sich eine geschlechtsspezifische Verteilung der Verletzungsmuster. So zeigen sich bei weiblichen Athleten vermehrt Verletzungen des Bandapparates sowie Stressfrakturen und Überlastungen des Sprunggelenks wohingegen bei männlichen Athleten vor allem muskuläre Verletzungen auftreten. Die Ursachen für diese geschlechterspezifische Verteilung vor allem der Bandverletzungen sind multifaktoriell. Es scheinen jedoch neben extrinsischen vor allem intrinsische Faktoren wie zum Beispiel eine Bandlaxizität, hormonelle Einflüsse oder anatomisch Besonderheiten einen entscheidenden Einfluss zu spielen. Auch biomechanisch zeigen sich geschlechterspezifische Unterschiede in Bezug auf Bewegungsabläufe bzw. –muster und neuromuskuläre Kontrolle.
        • Bei Sport-assoziierten Schädel-Hirn-Traumata (z.B. Gehirnerschütterungen) scheint es einen Unterschied in Bezug sowohl auf die Häufigkeit als auch das Outcome zwischen weiblichen und männlichen Athleten zu geben.
        • Auch in Bezug auf den Metabolismus unter Belastung zeigen sich Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Die für Sport wohl entscheidendsten Unterschiede betreffen sowohl den Glukosemetabolismus als auch die Muskelfaser-Verteilung.
        • Die Geschlechtshormone scheinen einen Einfluss auf die Trainierbarkeit zu haben. So scheint diese bis zur Adoleszenz vergleichbar zwischen den Geschlechtern zu sein. Erst nach Abschluss der Pubertät kommt es durch die bei Männern höheren Testosteron-Level sowie bei Frauen höheren Östrogen-Level zu Anpassungen der Muskelmasse, der Glukose-Sensitivität der Muskeln sowie der Fettsäure-Oxidation.
        • Frauenspezifische Themen in der Sportmedizin sind unter anderem der so genannte «female athlete triad» sowie Sport in der Schwangerschaft.
  • Rheumatologie
        • Geschlechtsspezifische Unterschiede in Bezug auf Prävalenz und Ausprägung von zahlreichen immunologischen Erkrankungen sind bereits seit Langem bekannt. Die Ursachen hierfür scheinen zum einen in den Geschlechtschromosomen per se als auch in durch Sexualhormone ausgelöste Unterschiede in der Genregulation, in Interaktionen mit dem Mikrobiom als auch in membranrezeptorvermittelten Reaktionen zu liegen. Die Tatsache, dass die Inzidenz der rheumatoider Arthritis bei Frauen sowohl postpartal als auch mit Eintritt der Menopause ansteigt, weist darauf hin, dass nicht unbedingt der absolute Hormonspiegel bei der Krankheitsentstehung eine Rolle spielen.
        • Neben unterschiedlichen pathophysiologischen Geschlechtsunterschieden konnten auch Unterschiede in Bezug auf das Ansprechen auf Therapeutika (zum Beispiel bei Patienten mit Psoriasis-Arthritis und Therapie mit TNFa-Inhibitoren) aufgezeigt werden. Somit scheint das Geschlecht auch in Hinblick auf eine optimale personalisierte Therapie von entscheidender Bedeutung zu sein.
  • Osteoporose
    In Bezug auf Festigkeit und Stabilität des Knochens bzw. des Skeletts spielen sowohl Knochenmasse als auch Knochendichte eine entscheidende Rolle. Bis zu einem Alter von ca 30 Jahren kommt es sowohl bei Männern als auch Frauen zu einer nahezu linearen Zunahme der Knochendichte und -masse, bei allerdings gering niedrigerem Niveau bei Frauen. In der darauffolgenden Lebensdekade bleibt die Knochenmasse nahezu konstant, um dann im Alter von circa 40 Jahren wieder abzunehmen. Diese Abnahme ist bei Männern nahezu linear, bei Frauen ab der Menopause deutlich vermehrt, so dass es zu einem Verlust von bis zu 40% der Knochenmasse kommt.
  • Rechtsmedizin
        • Suizidalität: Unterschiede Epidemiologie, Risikofaktoren, Gender Paradox
        • Intoxikationen: Im Erwachsenenalter überwiegend Frauen betroffen & Vergiftungen durch Medikamente besonders häufig
        • Verletzungen/(Auto-)Unfälle: bei Männern eher bei Arbeit oder Sport, bei Frauen eher im häuslichen Umfeld
        • Sexualdelikte bei Erwachsenen: «Berner Modell»
Referierende

Prof. Dr. med. Johannes Scherr, Universitäres Zentrum für Prävention und Sportmedizin, Universitätsklinik Balgrist (Modulleitung)

Prof. Dr. med. Mazda Farshad, Universitätsklinik Balgrist

Prof. Dr. med. Frauke Förger, Universitätsklinik für Rheumatologie, Immunologie und Allergologie, Inselspital, Universität Bern

Dr. med. Stefan Fröhlich, Universitäres Zentrum für Prävention und Sportmedizin, Universitätsklinik Balgrist

Prof. Dr. med. Rahel Kubik, Departement Medizinische Dienste, Kantonsspital Baden

Dr. med. Carina Mihai, Klinik für Rheumatologie, Universitätsspital Zürich

Prof. Dr. med. Burkhard Möller, Universitätsklinik für Rheumatologie, Immunologie und Allergologie, Inselspital, Universität Bern

PD Dr. med Caroline Ospelt, Klinik für Rheumatologie, Universitätsspital Zürich

Prof. Dr. med. Michael Thali, Institut für Rechtsmedizin, Universitätsspital Zürich

Anmeldeformular und Anmeldeschluss 

Anmeldeschluss 1. Oktober 2021, Anmeldeformular Modul