Kardiovaskuläre Medizin

Kursort: Zürich
Unterrichtssprache: Englisch
Anmeldschluss Einzelmodulteilnehmende: 1 Woche vor Modulbeginn

Ziele des Moduls
Die Teilnehmenden

  • kennen die geschlechtsspezifische Pathophysiologie und vaskuläre Biologie bei der koronaren Herzkrankheit (nicht-obstruktive versus obstruktive koronare Herzerkrankung, mikrovaskuläre Dysfunktion, Plaque-Ruptur versus Plaque-Erosion) sowie die Epidemiologie der entsprechenden Differentialdiagnosen (Vasospasmus, Koronardissektion, Takotsubo Syndrom).
  • sind mit den Geschlechterunterschieden in der klinischen Manifestation und Behandlung der koronaren Herzkrankheit vertraut (Yentl Syndrom) und können eine Nutzen-Risiko Abwägung vor einer kathetergeführten Koronarintervention bei Männern und Frauen durchführen
  • kennen die unterschiedliche Pharmakodynamik und -kinetik kardiovaskulärer Medikamente bei Männern und Frauen (z.B. Antikoagulantien, Plättchenhemmer, Antiarrhythmika, Herzinsuffizienztherapien)
  • können den Gender-Neglect in der kardiovaskulären Forschung (Bikini-Medizin) problematisieren, sowie die daraus resultierenden Wissenslücken und deren Konsequenzen für den klinischen Alltag
  • kennen die Sensitivität/Spezifität nicht-invasiver Belastungstests und Bildgebung bei Männern und Frauen (z.B. Artefakte durch Brustgewebe, Unterschiede bei der Belastungstoleranz, Wirkung von Östrogen und Testosteron auf das EKG)
  • kennen Geschlechterunterschiede bei der Herzinsuffizienz (z.B. Herzinsuffizienz mit erhaltener [HFpEF] versus eingeschränkter [HFrEF] linksventrikulärer Auswurffraktion), beim plötzlichen Herztod und bei Rhythmusstörungen

Inhalt des Moduls
Beispiel der Kardiologie lassen sich die Folgen einer Medizin aufzeigen, die in ihren Behandlungskonzepten auf ein bestimmtes Geschlecht ausgerichtet ist. Der Herzinfarkt wird als typische Männerkrankheit angesehen, dabei erleiden Frauen genauso oft einen Herzinfarkt, im Schnitt jedoch 10 Jahre später, bedingt vermutlich durch den schützenden Einfluss von Östrogenen auf das Herz-Kreislaufsystem. Männer erleiden ihre Herzinfarkte in einem sehr viel früheren Alter als Frauen, dafür ist die Herzinfarkt-Sterblichkeit bei jüngeren Frauen deutlich höher als bei gleichaltrigen Männern. Gründe hierfür sind die oft unspezifische Symptomatik bei Frauen, die folglich erschwerte Diagnosestellung und verzögerte Therapien (das sogenannte Yentl Syndrom) sowie eine medikamentöse und apparative Medizin, die auf eine männliche Patientenpopulation ausgerichtet ist. In der Tat wird in kardiovaskulären Forschungsstudien oft der Mann als medizinischer ‘Prototyp’ herangezogen. Dies hat zur Folge, dass bisherige Referenzwerte und Behandlungskonzepte die Besonderheiten des weiblichen kardiovaskulären Systems nicht ausreichend abbilden.

In diesem, für den CAS-Studiengang obligatorischen Modul, wird der Einfluss des Geschlechts auf die kardiovaskuläre Biologie und Pathophysiologie sowie auf diagnostische Massnahmen, invasive und nicht-invasive kardiovaskuläre Behandlungsmethoden und klinische Endpunkte vermittelt.