Kardiovaskuläre Medizin

Datum

tbd 2021

Ort

Zentrum für Weiterbildung, Universität Zürich, Schaffhauserstrasse 228

Unterrichtssprache

Englisch

Ziele des Moduls

Die Teilnehmenden

  • kennen die geschlechtsspezifische Pathophysiologie und vaskuläre Biologie bei der koronaren Herzkrankheit (nicht-obstruktive versus obstruktive koronare Herzerkrankung, mikrovaskuläre Dysfunktion, Plaque-Ruptur versus Plaque-Erosion) sowie die Epidemiologie der entsprechenden Differentialdiagnosen (Vasospasmus, Koronardissektion, Takotsubo Syndrom).
  • sind mit den Geschlechterunterschieden in der klinischen Manifestation und Behandlung der koronaren Herzkrankheit vertraut (Yentl Syndrom) und können eine Nutzen-Risiko Abwägung vor einer kathetergeführten Koronarintervention bei Männern und Frauen durchführen
  • kennen die unterschiedliche Pharmakodynamik und -kinetik kardiovaskulärer Medikamente bei Männern und Frauen (z.B. Antikoagulantien, Plättchenhemmer, Antiarrhythmika, Herzinsuffizienztherapien)
  • können den Gender-Neglect in der kardiovaskulären Forschung (Bikini-Medizin) problematisieren, sowie die daraus resultierenden Wissenslücken und deren Konsequenzen für den klinischen Alltag
  • kennen die Sensitivität/Spezifität nicht-invasiver Belastungstests und Bildgebung bei Männern und Frauen (z.B. Artefakte durch Brustgewebe, Unterschiede bei der Belastungstoleranz, Wirkung von Östrogen und Testosteron auf das EKG)
  • kennen Geschlechterunterschiede bei der Herzinsuffizienz (z.B. Herzinsuffizienz mit erhaltener [HFpEF] versus eingeschränkter [HFrEF] linksventrikulärer Auswurffraktion), beim plötzlichen Herztod und bei Rhythmusstörungen
Inhalt des Moduls

Am Beispiel der Kardiologie lassen sich die Folgen einer Medizin aufzeigen, die in ihren Behandlungskonzepten auf ein bestimmtes Geschlecht ausgerichtet ist. Der Herzinfarkt wird als typische Männerkrankheit angesehen, dabei erleiden Frauen genauso oft einen Herzinfarkt, im Schnitt jedoch 10 Jahre später, bedingt vermutlich durch den schützenden Einfluss von Östrogenen auf das Herz-Kreislaufsystem. Männer erleiden ihre Herzinfarkte in einem sehr viel früheren Alter als Frauen, dafür ist die Herzinfarkt-Sterblichkeit bei jüngeren Frauen deutlich höher als bei gleichaltrigen Männern. Gründe hierfür sind die oft unspezifische Symptomatik bei Frauen, die folglich erschwerte Diagnosestellung und verzögerte Therapien (das sogenannte Yentl Syndrom) sowie eine medikamentöse und apparative Medizin, die auf eine männliche Patientenpopulation ausgerichtet ist. In der Tat wird in kardiovaskulären Forschungsstudien oft der Mann als medizinischer ‘Prototyp’ herangezogen. Dies hat zur Folge, dass bisherige Referenzwerte und Behandlungskonzepte die Besonderheiten des weiblichen kardiovaskulären Systems nicht ausreichend abbilden.

In diesem, für den CAS-Studiengang obligatorischen Modul, wird der Einfluss des Geschlechts auf die kardiovaskuläre Biologie und Pathophysiologie sowie auf diagnostische Massnahmen, invasive und nicht-invasive kardiovaskuläre Behandlungsmethoden und klinische Endpunkte vermittelt. Das Modul umfasst folgende Blöcke:

  • Epidemiologie, globale Belastung der Gesundheitssysteme durch kardiovaskuläre Erkrankungen, Auswirkungen der Geschlechtshormone und des weiblichen und männlichen Reproduktionssystems auf die kardiovaskuläre Gesundheit
  • Geschlechtsspezifische Erkrankungen des Myokards, Altersbedingte Veränderungen des Herzmuskels (CG)
  • Sportkardiologie (CK)
  • Koronare Herzerkrankung (BS, CK)
  • Herzklappenerkrankungen und deren Therapien (Evidenz aus der Grundlagen- und klinischen Forschung) (BS)
  • Herzrhythmusstörungen, plötzlicher Herztod (CB)
  • Kardiovaskuläre Primärprävention: Ernährung, körperliche Aktivität, Geschlechtsunterschiede bei kardiometabolischen Erkrankungen, Geschlechtsspezifizität neuer Biomarkerprofile aus OMICS Ansätzen (Genom, Transkriptom, Metabolom- und Proteom) (EO, TM)
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei spezifischen Risikopopulationen, z.B. bei jungen Frauen und Männern, Patienten mit inflammatorischen und Infektionskrankheiten (EO, TM)
  • Kardiovaskuläre Sekundärprävention (Geschlechterunterschiede bei Rehabilitationsmassnahmen, Risikostratefizierung und Verordnung von Medikamenten) (EO, TM)
Referierende

Prof. Dr. med. Catherine Gebhard, Klinik für Nuklearmedizin, Universitätsspital Zürich, Center for Molecular Cardiology, Universität Zürich (Modulleitung)

Dr. med. Taulant Muka, Institut für Sozial- und Präventivmedizin, Universität Bern

Dr. med. Christine Kissel, Universitäres Herzzentrum, Universitätsspital Zürich

PD Dr. med. Barbara Stähli, Universitäres Herzzentrum, Universitätsspital Zürich

Prof. Dr. med. Corinna Brunckhorst, Universitäres Herzzentrum, Universitätsspital Zürich

Dr. Elena Osto, Institut für Klinische Chemie, Unispital Zürich/ Laboratory of Translational Nutrition Biology, ETH Zürich

Anmeldeformular und Anmeldeschluss 

tbd